Ich schlafe in Julios altem Zimmer, mit Casablanca- und Chè-Guevara-Postern und vielen Büchern, darunter einige von und über seinen Vater Julio Anguita, den früheren Kommunistenführer in Spanien. Ein Foto von Julio steht neben einem aufgeschlagenen Kalender, April 2003. Ich gehe kurz in mich und überlege, ob ich das jetzt unangenehm finde, in einem anscheinend seit 20 Jahren unveränderten Zimmer zu schlafen, und setze mich aufs Bett. Nein, sage ich zu mir, es fühlt sich gut an. Überhaupt kein Problem, im Gegenteil.
Ich schlafe wunderbar und tief und werde von lautem Vogelgezwitscher geweckt. Wir bekommen Kaffee dazu Toast mit Olivenöl und frischen Tomaten sowie köstlichen, frischgepressten Orangensaft.
Wir erzählen uns viel über unsere Familien. Antonia über ihre anderen zwei Kinder, ihre Enkeltochter, ihren Ex-Mann, Julios Vater, über die Vergangenheit und über Reisen – und zwischendrin immer wieder über Julio und Christian.
Manchmal laufen ihr Tränen über die Wangen, aber einen Augenblick später kann sie schon wieder lachen. Wir umarmen uns viel und freuen uns, dass wir unseren Plan hierherzukommen, verwirklicht haben.
Es ist im April schon herrlich warm in Córdoba und diese Stadt ist wunderschön.