CLS: Du hast auch zwei Kinderheime besucht. Welche Eindrücke nimmst du von dort mit?
Julia: Diese Besuche waren natürlich auch höchst emotional. Beide Waisenhäuser hatten jeweils knapp 25 Kleinkinder im Alter von ein bis drei bzw. von null bis drei Jahren. Doch die Unterschiede waren auch wieder enorm.
Im ersten Waisenheim, dem Open Arms Mangochi, merkte ich eigentlich erst nach zwei Stunden Spielen ohne Spielzeug, ohne Bücher oder gar Turngeräte etc., wie hart auch hier der Alltag wirklich ist. Der Geruch, die Nässe, keine Windeln, keine Schnuller, keine ablenkenden Hörbücher für Gute-Nacht-Geschichten, keine Bilderbücher. Und trotzdem begegneten die Mitarbeiterinnen der Rasselbande in allen Situationen stets geduldig und liebevoll. Bei Stromausfall wurde zum Beispiel einfach die Taschenlampe im Mund gehalten und die Kinder an beiden Händen ins Bett gebracht. Dieses Waisenheim ist nicht in privater Trägerschaft und hat offensichtlich überaus knappe Ressourcen.
Das zweite Heim war finanziell wesentlich besser ausgestattet. Es nannte sich Aleluya Orphanage und wurde in den 70er Jahren von einer Italienerin gegründet. Es wird bis heute von einem großen Freundeskreis getragen. Die Einrichtung war hell, sauber und gut ausgestattet. Es gab Spielzeug, ordentliche und saubere Kleidung, gepflegte und helle Räume und sogar einen Garten mit Spielwiese, Blumen und Bäumen. Und trotzdem habe ich auch hier die bittere Realität gesehen. Die Kinder in beiden Heimen müssen nämlich spätestens im Alter von drei Jahren zu Verwandten oder Adoptiveltern kommen. So ist das staatlich geregelt. Und es wurde mir erzählt, dass sehr viele dieser Kinder binnen weniger Monate mangelernährt sind und später auch nicht auf die Schule geschickt werden. Das hat mir sehr deutlich gezeigt, was Menschen mit Engagement leisten und wie sehr am Ende doch Ressourcen und Politik über die Möglichkeiten entscheiden.