Interview mit dem neuen Kuratoriumsmitglied: HOMAG-Vorstandschef Dr. Daniel Schmitt

Wenn das eigene Leben gut gelaufen ist, sollte man etwas zurückgeben

Seit Ende 2025 gehört Daniel Schmitt dem Kuratorium der Christian-Liebig-Stiftung e.V. an. Der Vorstandschef der HOMAG Group hat mehrere Jahre mit seiner Familie in Südafrika gelebt, kennt die Realität des südlichen Afrikas aus nächster Nähe, und ist überzeugt, dass Bildung der verlässlichste Weg ist, Lebenswege zu verändern.

Im Gespräch erzählt er, warum ihn die Arbeit der Stiftung überzeugt, wie ihn seine Erfahrungen in Afrika geprägt haben und weshalb er es als persönliche Verpflichtung empfindet, etwas zurückzugeben, wenn das eigene Leben gut verlaufen ist.

Warum Daniel Schmitt sich engagiert

Herr Schmitt, was hat Sie dazu bewogen, sich für die Christian-Liebig-Stiftung e.V. zu engagieren?

Der erste Impuls kam über einen langjährigen Freund von mir, Christian Paulmann, der Mitglied des Vorstands der Christian-Liebig-Stiftung e.V. ist. Er erzählte mir von der Stiftung und davon, was sie in Malawi bislang bewegen konnte. Das traf bei mir sofort auf offene Ohren. Zum einen habe ich eine persönliche Verbundenheit mit Afrika. Wir haben als Familie über zwei Jahre in Johannesburg gelebt. Wenn man selbst länger vor Ort ist, wird sehr schnell deutlich, wie offensichtlich der Handlungsbedarf ist.

Zum anderen hat mich überzeugt, dass die Stiftung konsequent in Bildung investiert. Bildung ist für mich einer der wirkungsvollsten Hebel, um Menschen Perspektiven zu eröffnen.

Und ein dritter Punkt ist mir wichtig: Bei einer kleinen Organisation wie der Christian-Liebig-Stiftung e.V. sieht man unmittelbar, was mit den Mitteln passiert.

Als die Frage kam, ob ich mich als Kuratoriumsmitglied einbringen möchte, musste ich deshalb nicht lange überlegen.

Gab es Erfahrungen aus Ihrer Zeit in Südafrika, die Ihren Blick besonders geprägt haben?

Ja, mehrere. Ein Satz aus der Anti-Apartheid-Bewegung ist mir bis heute präsent: „Freedom first, education later.“ In der damaligen Situation war das nachvollziehbar. Aber im Rückblick sieht man, wie sehr es dem Land geschadet hat, dass Bildung später kam oder gar nicht. Das ist aus meiner Sicht ein grundlegendes Problem.

Ein Land mit enormem Potenzial tritt auf der Stelle, wenn Bildung auf allen Ebenen fehlt: Grundbildung, Ausbildung, Übergänge in formale Beschäftigungen. Hinzu kommen Themen wie Sicherheit, Gesundheitsversorgung und Gleichberechtigung. Ich hatte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in Townships lebten. Ich weiß nicht, wie viel Leid sie täglich erfahren haben, aber ich bin sicher: Gerade Frauen sind dort massiv bedroht. Eine Schule ist unter solchen Bedingungen weit mehr als ein Lernort. Sie ist ein geschützter Raum.

Bildung öffnet Türen – auch in seiner eigenen Biografie

Welche Rolle spielen Bildung und Chancengleichheit persönlich in Ihrem Leben?

Eine sehr große. Ohne die Entscheidung meiner Eltern für Bildung wäre mein Lebensweg ein anderer geworden. Ich komme aus einfachen Verhältnissen, wir waren fünf Kinder. Mein Vater arbeitete als angelernter Arbeiter auf einer Hütte und nebenher als Schreiner. Für meine Mutter war es zentral, dass alle Kinder eine gute Ausbildung erhalten. Und sie hat sich damit gegen viele Widerstände durchgesetzt.

Ich bin damit ein Beispiel dafür, wie sehr Bildung Türen öffnet – im Sinne von Teilhabe, beruflichen Möglichkeiten und der Freiheit, Entscheidungen zu treffen. Wer diese Erfahrung gemacht hat, versteht sehr schnell, warum Bildung, vor allem auch in Ländern mit deutlich schwierigeren Ausgangsbedingungen, so entscheidend ist.

Gab es einen bestimmten Moment, in dem Sie beschlossen haben, sich stärker gesellschaftlich zu engagieren?

Ich habe mir diese Frage schon lange gestellt. Ich spende seit vielen Jahren regelmäßig an verschiedene Organisationen, aber ich hatte das Gefühl, dass ich mich zusätzlich auch persönlich einbringen sollte. Gleichzeitig lässt mein Beruf nicht unbegrenzt Raum für weitere Aufgaben. Ich habe deshalb immer wieder geschaut, wo ein Engagement sinnvoll wäre, aber lange ergab sich nichts, was wirklich passte.

Mit der Christian-Liebig-Stiftung e.V. war das anders: persönlicher Bezug, Verbindung zu Afrika, Fokus auf Bildung und eine kleine, klar ausgerichtete Organisation, in der Engagement spürbar etwas bewegt. Da hatte ich den Eindruck: Hier stimmt das Gesamtbild.

Blick nach Malawi

Wie blicken Sie auf die Projekte der Christian-Liebig-Stiftung e.V. in Malawi?

Ich möchte die Projekte unbedingt auch vor Ort erleben. Eine Reise plane ich fest ein, vielleicht im Rahmen eines privaten Aufenthalts im südlichen Afrika mit einem Abstecher nach Malawi.

Von dem, was ich bisher gesehen habe, bin ich beeindruckt: Schulen entstehen, Gebäude werden instandgesetzt, Solaranlagen installiert, Lehrerinnen und Lehrer eingestellt und die Zahl der Schülerinnen und Schüler wächst. Die Arbeit wirkt durchdacht und langfristig angelegt.

Es gibt daneben eine zweite Ebene, die mir wichtig erscheint: die Zukunftsfähigkeit der Stiftung. Sie wurde vor rund 25 Jahren von der damaligen Lebensgefährtin von Christian Liebig gegründet und bis heute maßgeblich von ihr und einem eng verbundenen Kreis von Weggefährtinnen und Weggefährten getragen. Nach einem Vierteljahrhundert engagierter Arbeit stellt sich ganz natürlich die Frage, wie Verantwortung künftig auf mehrere Schultern verteilt und auch die nächste Generation noch stärker eingebunden werden kann. Denn die Projekte brauchen Jahre, um ihre volle Wirkung zu entfalten. Dafür müssen wir Strukturen schaffen, die Bestand haben.

Wie möchten Sie sich konkret in die Arbeit der Stiftung einbringen?

Ich sehe meine Rolle nicht nur darin, an Sitzungen teilzunehmen und Umlaufbeschlüsse abzunicken. Ich möchte darüber hinaus ganz bewusst meine Erfahrung und mein Netzwerk einbringen. Ich verfüge durch meine berufliche Tätigkeit und über soziale Medien über eine gewisse Reichweite.

Wenn es mir gelingt, zusätzliche Unterstützerinnen und Unterstützer aus meinem Umfeld zu gewinnen, Kontakte zu knüpfen oder Türen zu Unternehmen zu öffnen, dann ist das ein Mehrwert, den ich beisteuern kann. Ich hoffe, dass ich dazu beitragen kann, dass die Themen der Stiftung in meinem beruflichen und privaten Umfeld noch sichtbarer werden.

Spenden wirken. Besonders, wenn man sie nachvollziehen kann

Wenn man mit Menschen über soziales Engagement spricht, taucht schnell die Frage auf, ob eine einzelne Spende überhaupt etwas bewirkt. Was sagen Sie jemandem, der so denkt?

Diese Unsicherheit ist verständlich, vor allem bei großen Organisationen, bei denen die Wege des Geldes nicht immer sichtbar sind. Bei kleinen NGOs wie der Christian-Liebig-Stiftung e.V. ist das anders. Es wird eine Schule gebaut, ein Dach repariert, ein Brunnen gebohrt, Lehrerinnen und Lehrer werden eingestellt. Man sieht sehr genau, was passiert und dass es direkt vor Ort wirkt.

Und was sagen Sie jenen, die argumentieren, es gäbe auch in Deutschland genug Probleme?

Das ist ein sensibles Thema. Doch ein reiches Land wie Deutschland hat prinzipiell die Möglichkeiten, seine Probleme selbst zu lösen. In vielen Ländern Afrikas ist das nicht so.

Wer schon in ärmeren Ländern unterwegs war, erkennt sofort die Unterschiede: Dinge, die bei uns selbstverständlich sind, fehlen dort. Die meisten Menschen verlassen ihre Heimat nicht, um reich zu werden. Sie tun es, weil ihre Existenz bedroht ist, und sie nehmen dafür enorme Risiken auf sich. Deshalb bin ich überzeugt: Man sollte dort helfen, wo die Not am größten ist.

Gibt es ein Leitmotiv, das Sie in Ihrem gesellschaftlichen Engagement begleitet?

Für mich ist der Gedanke zentral: Wenn das eigene Leben gut gelaufen ist und man Möglichkeiten hat, sollte man etwas zurückgeben.

Fotos: Dr. Daniel Schmitt / HOMAG Group AG

Copyright © 2026 by Christian-Liebig-Stiftung e.V. – Mit freundlicher Unterstützung von Hubert Burda Media.