Herr Schmitt, was hat Sie dazu bewogen, sich für die Christian-Liebig-Stiftung e.V. zu engagieren?
Der erste Impuls kam über einen langjährigen Freund von mir, Christian Paulmann, der Mitglied des Vorstands der Christian-Liebig-Stiftung e.V. ist. Er erzählte mir von der Stiftung und davon, was sie in Malawi bislang bewegen konnte. Das traf bei mir sofort auf offene Ohren. Zum einen habe ich eine persönliche Verbundenheit mit Afrika. Wir haben als Familie über zwei Jahre in Johannesburg gelebt. Wenn man selbst länger vor Ort ist, wird sehr schnell deutlich, wie offensichtlich der Handlungsbedarf ist.
Zum anderen hat mich überzeugt, dass die Stiftung konsequent in Bildung investiert. Bildung ist für mich einer der wirkungsvollsten Hebel, um Menschen Perspektiven zu eröffnen.
Und ein dritter Punkt ist mir wichtig: Bei einer kleinen Organisation wie der Christian-Liebig-Stiftung e.V. sieht man unmittelbar, was mit den Mitteln passiert.
Als die Frage kam, ob ich mich als Kuratoriumsmitglied einbringen möchte, musste ich deshalb nicht lange überlegen.
Gab es Erfahrungen aus Ihrer Zeit in Südafrika, die Ihren Blick besonders geprägt haben?
Ja, mehrere. Ein Satz aus der Anti-Apartheid-Bewegung ist mir bis heute präsent: „Freedom first, education later.“ In der damaligen Situation war das nachvollziehbar. Aber im Rückblick sieht man, wie sehr es dem Land geschadet hat, dass Bildung später kam oder gar nicht. Das ist aus meiner Sicht ein grundlegendes Problem.
Ein Land mit enormem Potenzial tritt auf der Stelle, wenn Bildung auf allen Ebenen fehlt: Grundbildung, Ausbildung, Übergänge in formale Beschäftigungen. Hinzu kommen Themen wie Sicherheit, Gesundheitsversorgung und Gleichberechtigung. Ich hatte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in Townships lebten. Ich weiß nicht, wie viel Leid sie täglich erfahren haben, aber ich bin sicher: Gerade Frauen sind dort massiv bedroht. Eine Schule ist unter solchen Bedingungen weit mehr als ein Lernort. Sie ist ein geschützter Raum.