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Matthias Scharpf (23) ist das jüngste Mitglied im Vorstand der Christian-Liebig-Stiftung e.V. Nach einem Freiwilligendienst in Malawi und neben seinem Studium der International Relations and Management an der OTH Regensburg engagiert er sich seit Frühjahr 2026 ehrenamtlich als Vorstandsmitglied für die CLS. Im Interview erzählt er, wie alles begann und warum ihm Malawi nicht mehr loslässt.
Matthias, wie bist du zum ersten Mal mit Malawi in Berührung gekommen?
Das war 2022. Nach meiner Fachhochschulreife bin ich als Weltwärts-Freiwilliger über das Kindermissionswerk „Die Sternsinger”nach Malawi gegangen. Elf Monate lang habe ich in der Pfarrei Benga im Distrikt Nkhotakota gelebt und dort in einem Projekt zur Unterstützung älterer Menschen mitgearbeitet. Wir haben Lebensmittel und Dinge des täglichen Bedarfs in die Dörfer gebracht – mal direkt am Malawisee, mal in abgelegenen Bergdörfern. Allein die Pfarrei ist über 3.000 Quadratkilometer groß, größer als das Saarland. Das hat mir die unglaubliche Vielfalt des Landes und seiner Menschen nahegebracht.
Matthias Scharpf in Malawi.
Du warst damals 19. Wie war das für dich?
Es war das erste Mal, dass ich auf einen anderen Kontinent geflogen bin. Und ich muss ehrlich sagen, dass die ersten zwei Monate schwierig waren. Der kulturelle Kontrast, der Unterschied im Lebensstandard – ich war mir anfangs nicht sicher, ob ich den Dienst wirklich durchziehen würde. Bis zu einem Moment, der eigentlich ganz unspektakulär klingt: Ein Mitarbeiter aus meinem Projekt hat mich zu einem Nsima-Essen bei sich im Dorf eingeladen. Wir saßen vor dem Haus, haben zusammen gegessen, die Sonne ging unter, Menschen kamen zusammen und ich hatte zum ersten Mal das Gefühl, mich 10.000 Kilometer von zu Hause zu Hause zu fühlen. Dieses Gefühl hat sich durch meinen gesamten Freiwilligendienst gezogen und mich bis heute nicht losgelassen.
Matthias Scharpf leistet seit Jahren einen Beitrag in Malawi.
Und dann kam die Christian-Liebig-Stiftung ins Spiel?
Nicht sofort. Zurück in Deutschland habe ich angefangen, mich über die Deutsch-Malawische Gesellschaft, über kirchliche Strukturen und über persönliche Kontakte in der Entwicklungszusammenarbeit zwischen Deutschland und Malawi zu vernetzen. Dabei bin ich natürlich auch auf die CLS gestoßen, weil die Stiftung mit ihren Projekten seit 2003 eine feste Größe in diesem Bereich ist. Ich habe dann die Geschäftsstelle kontaktiert, und so ist ein regelmäßiger Austausch mit Beatrice und anderen Vorstandsmitgliedern entstanden, der immer auf Augenhöhe war. Irgendwann hatte ich das Gefühl: Wenn es spannende Kontakte oder Neuigkeiten aus Malawi gibt, rufe ich am besten bei der CLS an.
Wie kam es dann zum Angebot, in den Vorstand einzusteigen?
Das war eine echte Überraschung. Von Oktober 2025 bis Februar 2026 war ich für mein Praxissemester in Malawi und habe dort für den sozialen Arm des Erzbistums Lilongwe gearbeitet. Einen Tag nach meiner Rückkehr nach Deutschland habe ich mich mit Beatrice und Ute in München getroffen und dort haben sie mir angeboten, den Vorstand zu verstärken. Ich war total geflasht, weil ich es nicht erwartet hätte. Aber ich wusste sofort: Selbst wenn ich noch eine Nacht darüber schlafen würde, würde ich Ja sagen. Und genau das habe ich gemacht.
Matthias Scharpf und Beatrice von Keyserlingk besprechen ein Projekt vor Ort.
Was hast du dir für deine neue Rolle vorgenommen?
Ich möchte vor allem dazu beitragen, dass bestehende Partnerschaften weiter gestärkt werden – etwa mit der Pfarrei Benga, wo ich selbst Freiwilliger war. Außerdem setze ich mich dafür ein, dass neue Kooperationen entstehen, zum Beispiel im Bereich Mädchengesundheit und Frauenrechte. Da gibt es konkrete Ansätze, etwa Menstruationsprodukte direkt an Schulen zu verteilen, um Mädchen den Schulbesuch zu erleichtern. Und ich bringe mein Netzwerk ein, das aus kirchlichen Partnern, anderen Organisationen und vielen Menschen in Malawi besteht, die vor Ort gute Arbeit leisten.
Was fasziniert dich an der Arbeit der CLS?
Dass sie keine klischeehafte Entwicklungshilfe betreibt. Kein Saviorism, kein „wir bauen eine Schule und kümmern uns danach nicht mehr darum”. Die CLS geht vor Ort hin, redet mit den Menschen, erarbeitet gemeinsam mit ihnen ein Konzept und sorgt dann dafür, dass das Projekt langfristig unabhängig getragen wird. Das ist für mich der richtige Weg. Entwicklungshilfe ist ja eigentlich ein Bereich, der sich selbst abschaffen möchte, weil es irgendwann eine Partnerschaft auf Augenhöhe sein soll und keine Einbahnstraße mehr.
Und was mich persönlich berührt: Beatrice und die Freunde und Familie von Christian Liebig haben es geschafft, aus etwas so Schrecklichem wie dem Verlust eines geliebten Menschen etwas so Gutes für tausende Menschen in Malawi zu schaffen. Das ist ein starkes Zeichen – gerade in einer Zeit, in der internationale Zusammenarbeit oft an Wertschätzung verliert.
Du sprichst hier etwas Wichtiges an. Manche sagen: „Wir haben in Deutschland genug Probleme.” Was entgegnest du?
Wir leben in einer globalisierten Welt. Die Probleme dort werden irgendwann auch Konsequenzen für uns haben – ob durch den Klimawandel, durch Fluchtbewegungen oder durch den Verlust von Partnerschaften. Lieber setzen wir gemeinsam auf Zusammenarbeit, als so zu tun, als ginge uns das alles nichts an. Manche Menschen erreicht man eher über die Menschlichkeit, andere über das Argument, dass Kooperation auch in unserem eigenen Interesse liegt. Beides stimmt.
Letzte Frage: Was sagst du Menschen, die denken: „Mein kleiner Beitrag macht doch keinen Unterschied”?
Da antworte ich gerne mit einem Zitat aus einem meiner Lieblingsfilme, Cloud Atlas: Jemand sagt dort zur Hauptfigur, dass das, was sie tut, doch nur ein Tropfen im Ozean sei. Und die Hauptfigur antwortet: „Ja, aber woraus besteht ein Ozean, wenn nicht aus vielen einzelnen Tropfen?” Das klingt vielleicht romantisch, aber da ist etwas Wahres dran. Alleine kann man vielleicht keine Schule bauen. Aber wenn hunderte, tausende Menschen ihren Beitrag leisten – als Spender, als Mitglied, als Ehrenamtliche – dann wird daraus etwas Großes. Und genau das ist die CLS: eine Gemeinschaft aus vielen kleinen Beiträgen, die zusammen Großes bewirken.