• Mtakataka-Mädchenwohnheim

In Gedenken an Focus-Journalisten Uli Baur: Eine sichere Bleibe für Mädchen und junge Frauen

Ein marodes Gebäude mitten im Nirgendwo. Die Zimmer dunkel und nicht abschließbar, der Lehmboden roh, die Bettgestelle erinnern an Skelette und dienen als Kleiderschrank. Es gibt keine Matratzen, geschlafen wird auf dem Boden. Dicke Drahtbügel hängen wie knorrige Äste von der Decke.

Der erbärmliche Zustand dieser Behausung ist ein für Europäer erschreckender Anblick. Doch die 25 jungen Frauen, die hier leben und die angegliederte Community-Day-Sekundarschule besuchen, machen auf uns einen fröhlichen Eindruck beim Besuch im Oktober 2018. Sie sind ordentlich gekleidet und gepflegt, auch wenn einen der Blick in die Latrinen fragen lässt, wie das möglich ist. 

Nach dem so großen Erfolg unseres Mädchenwohnheims an der Christian Liebig Sekundarschule und einem ersten Besuch des Mtaktaka-Wohnheims im vergangen Jahr, stand der Plan fest: Die Christian-Liebig-Stiftung möchte sich hier auf jeden Fall engagieren und dem Haus zu einem bewohnbaren Zustand verhelfen.

  • Land:

    Malawi

  • Ort:

    Mtakataka, 130 km östlich der Hauptstadt Lilongwe

  • Projektdauer:

    2019-2020

  • Status:

    25 Mädchen leben in vier Zimmern in erbärmlichem Zustand. Schlechte Sanitäranlagen, keine Küche.

  • Ziele:

    Ausbau, Renovierung und Ausstattung des Wohnheims inkl. Latrinen, Waschplatz, Innenhof und Schutzmauer. Ziel: Platz für 50 Mädchen.

  • Unterstützer

    Uli Baur, Franz Baron Riederer von Paar, Hubert Burda Media

Hier muss dringend etwas getan werden

Gespenstischer Anblick: der aktuelle Zustand der Räume im Mädchenwohnheim Mtakataka

Durch die Erweiterung des Gebäudes können 50 Mädchen in insgesamt sechs Räumen mit jeweils bis zu acht Schlafplätzen einen gemütlichen und sicheren Platz zum Leben finden. Zu den von uns geplanten Maßnahmen gehört auch die Renovierung der vorhandenen Zimmer und Latrinen, eine richtige Einrichtung mit Betten und Tischen sowie der Neubau eines ummauerten Innenhofs mit Waschplatz. Auch das Zubereiten von Mahlzeiten könnte dann in einer passenden Umgebung stattfinden, nicht mehr auf dem Boden in einem geschlossenen Raum, was eigentlich viel zu gefährlich ist. 

Uli Baur: Erneut ein Journalist, in dessen Namen posthum Gutes getan wird

Da die Kosten dieses Vorhabens bereits gedeckt sind, können wir auch bald mit den Maßnahmen starten. Dahinter verbirgt sich jedoch ein trauriger Anlass mit einer großen Geste: Im September verstarb Uli Baur, Mitbegründer und zuletzt auch Mitherausgeber des Nachrichtenmagazins Focus, Chef von Christian Liebig und großer Unterstützer der CLS. Dass er sich über seinen Tod hinaus für unsere Mission stark gemacht hat, lässt uns in tiefer Dankbarkeit zurückbleiben.

Denn die Gäste seiner Trauerfeier spendeten auf seinen Wunsch hin mehr als 7.000 Euro für die CLS. Diese Geste bewegte aber nicht nur uns: Eine weitere Spende über 6.500 Euro erreichten uns anlässlich des 60. Geburtstags vom Inhaber des Gutshof Polting, Franz Baron Riederer von Paar. Der Restbetrag, welcher die Gesamtkosten von 40.000 Euro komplett deckt, erreichten uns als Großspende vom Vorstand der Hubert Burda Media Holding.

Die Renovierungsarbeiten können sofort umgesetzt werden: Die Projektkosten von ca. 40.000 Euro sind bereits durch großzügige Spenden gedeckt.

Die Bewohnerinnen von Mtakataka: Junge Frauen mit Geschichte

Zwei starke Frauen kämpfen gemeinsam für die Rechte von Mädchen: Chief Theresa Katchindamoto und Beatrice von Keyserlingk

Die Mädchen, die derzeit hier leben, sind im Schnitt zwischen 14 und 18 Jahren alt und haben in ihrem Leben zum Teil schon einiges mitgemacht. Denn einige von ihnen wurden bereits als Kinder verheiratet und sind nun aber zum Glück wieder geschieden.

Dies verdanken sie einer engagierten Frau: Theresa Katchindamoto. Sie ist der einzige weibliche Senior Chief im Land und setzt sich seit Jahren sehr erfolgreich für die Annullierung von Kinderehen ein. Bereits im vergangenen Jahr besuchte Beatrice von Keyserlingk diese besondere Frau und sprach mit ihr über eine gemeinsame Mission: die Stärkung der Rechte von Förderung von Mädchen.

Einige aus Katchindamotos „back-to-school-program“ leben nun im Mtakataka-Mädchenwohnheim. Sie sind bereits auf dem besten Weg in eine bessere Zukunft und eifrig dabei, ihren Schulabschluss zu machen.

Wir sprechen zum Beispiel mit Doreen. Die 19-Jährige wurde mit 14 verheiratet, hat eine fünfjährige Tochter, die im Moment bei den Großeltern lebt, und möchte gern Krankenschwester werden. Wie viele andere ist sie froh über die Unterbringung im Wohnheim. Bei einem täglichen zwei- bis dreistündigen Schulweg und Hausarbeit in der Familie wäre keine Zeit für Schulbildung geblieben. Die Schulgebühren können sich die meisten Familien ohnehin nicht leisten.

Flora, 18 Jahre alt, war ebenfalls bereits verheiratet und möchte gern Polizistin werden. Und Lucia, 20, träumt von einer Karriere als Lehrerin. Vielleicht sogar in Amerika, wie ihr Onkel. Auf unsere Frage, ob sie später wieder einmal heiraten möchten, schütteln alle energisch den Kopf. Doch wer weiß, was die Zukunft bringt.

Träume und Wünsche

Am meisten würden sie sich erst einmal richtige Betten wünschen und ja, auch die „Badezimmer“ wären verbesserungswürdig. Über ein bißchen mehr Licht und Luft in den Räumen sowie abschließbare Zimmer würden sie sich auch freuen, berichten die Mädchen. Dennoch fühlen sie sich sicher, denn sie sind ja zusammen, haben vieles gemeistert in ihrem jungen Leben. Ausserdem gibt es auf dem Schulgelände einen Nachtwächter und ein paar Lehrkräfte, die ihnen zur Not beistehen würden. Immerhin.

Wir freuen uns sehr, hier einen Beitrag leisten zu können und den jungen Frauen das Leben und ihre Zukunft bald noch mehr zu erleichtern. Damit ihr Lachen noch fröhlicher und lauter wird.

Doreen, Lucia, Flora: Die drei jungen Frauen aus dem „back-to-school“-Programm leben im Wohnheim.

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